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Hier finden Sie eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Informationen über die Sinti & Roma. Sofern Sie Fragen haben, oder tiefer in diese interessant Materie eintauchen möchten, können Sie sich gerne mit uns in Verbindung setzen!

 

 

 

 

 

Geschichtliches

 

Herkunft

Sinti und Roma leben seit Jahrhunderten in Europa. In ihren jeweiligen Heimatländern bilden sie historisch gewachsene Minderheiten, die sich selbst Sinti oder Roma nennen, wobei Sinti die in West- und Mitteleuropa beheimateten Angehörigen der Minderheit, Roma diejenigen ost- und südosteuropäischer Herkunft bezeichnet. Außerhalb des deutschen Sprachraums wird Roma als Name für die gesamte Minderheit verwendet.

Der Begriff "Zigeuner" ist dagegen eine in seinen Ursprüngen bis ins Mittelalter zurückreichende Fremdbezeichnung der Mehrheitsbevölkerung und wird von der Minderheit als diskriminierend abgelehnt. Wird er im Kontext historischer Quellen verwendet, so sind die hinter diesem Begriff stehenden Klischees und Vorurteile stets mit zu bedenken. Etymologisch ist der Begriff nicht eindeutig ableitbar. Er beinhaltet sowohl negative als auch romantisierende Bilder und Stereotypen, die real existierenden Menschen zugeschrieben werden. Daher ist der Begriff zuallererst ein Konstrukt.

 

Der genaue Ursprung der Sinti und Roma liegt im Punjab-Tal, einem Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan.

Um 1300 n. Chr. rief Osman I. zum Glaubenskampf gegen die Byzantiner auf. Er verdrängte Byzanz aus West-Kleinasien und legte den Grundstein zum Osmanischen Reich. Betroffen war auch die Region um das Punjab-Tal. Sein Sohn Orhan organisierte die Verwaltung des neuen Staates und gründete aus Sklaven die Janitscharenarmee, die zum Großteil aus christlich geprägten Sinti bestand. Auch wenn die Roma, meist moslemischen Glaubens, größtenteils gesellschaftlich integriert waren, mussten auch sie Kontingente für die Armee stellen. Mitte des 14. Jahrhunderts drang die türkische Armee in Europa ein. Kurz darauf tauchten die ersten Roma in Serbien auf, die aus der Sklaverei flüchteten. Die Familien der Roma wurden zwischen den Fürstentümern, den Großgrundbesitzern und den Kirchen im gesamten Balkangebiet aufgeteilt. Jeder, der Land besaß, hatte häufig auch Roma-Sklaven. So flohen die Roma erneut aus ihrer Versklavung und gelangten Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts auch nach Mitteleuropa.

Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wurden Sinti und Roma in fast allen europäischen Ländern urkundlich erwähnt; in Deutschland erstmals 1407 in der Bischofsstadt Hildesheim. Bereits 1446 verlieh der Rat der Stadt Frankfurt einem „Heincz von Mulhusen zyguner“ das Bürgerrecht.

In dieser Zeit standen die Angehörigen der Minderheit anfangs noch unter dem Schutz der deutschen Obrigkeit, die ihnen ‚Schutzbriefe‘ ausstellte. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts jedoch, als die spätmittelalterliche Gesellschaft an der Schwelle zur frühen Neuzeit eine Phase des politischen und sozialen Umbruchs erlebte, wurden Sinti und Roma wieder zunehmend unterdrückt und verfolgt. Die Zünfte untersagten ihnen die Ausübung von Handwerksberufen, aus zahlreichen Gebieten wurden sie vertrieben.

Dabei fällt auf, dass der Antiziganismus wie der Antisemitismus von Anfang an religiöse Aspekte aufwies, indem man ‚Zigeuner‘ als Heiden, Hexen oder gar als Verbündete des Teufels stigmatisierte. Wie die Juden, so wurden auch die Sinti und Roma in der Folge immer wieder zu Sündenböcken für alle möglichen Missstände gemacht. Die Ausgrenzung und Verfolgung der Minderheit fand ihren Höhepunkt zur Zeit des Nationalsozialismus. Schätzungsweise fielen den Nationalsozialisten 500.000 Sinti und Roma zum Opfer. Dieser Abschnitt der Geschichte wird bei den Angehörigen der Minderheit auch Porajmos (Verschlingen) genannt.

In Deutschland sind Sinti und Roma seit über 600 Jahren beheimatet. Heute leben etwa 70.000 in der Bundesrepublik Deutschland.

 

Sprache

Die Sprache der Sinti und Roma nennt sich Romanes und ist mit dem altindischen Sanskrit verwandt. Jedoch haben sich, je nach Siedlungsort, einheimische Sprachen in das jeweilige Romanes eingemischt. So kann man beispielsweise vom "Deutschen Romanes" und vom "Ungarischen Romanes" sprechen.

Durch unterschiedlichste Projekte, wie in Deutschland, der Sowjetunion oder Polen, wurde versucht die Sprache der Sinti und Roma zu vereinheitlichen zu verschriftlichen. Dies scheiterte jedoch immer wieder, da Romanes vorallem eine mündliche Sprache ist.

 

Kultur / Religion

Eine Heterogenität der Kultur zwischen den unterschiedlichen Gruppen der Sinti und Roma gibt es nicht.

Allen gemeinsam ist jedoch die Wertschätzung der Familie, Respekt vor Älteren und das Nutzen der eigenen Sprache. Hervorzuheben sind außerdem die ausgeprägte Erzählkultur und die Musikkunst, welche sich auch im Jazz wiederfinden lässt.

Eine eigene Religion haben die Sinti und Roma allerdings nicht. Unter ihnen gibt es sowohl Katholiken, Orthodoxe, evangelische Christen, Mitglieder von Freikirchen und Muslime.

 

Vorurteile

Die Vorurteile, dass sogenannte "Zigeuner" müssiggängerisch, nomadisch, kriminell und kulturlos seien stimmen natürlich nicht. Diese Ressentiments stammen größenteils noch aus dem Mittelalter.

Viele der Sinti und Roma haben sich vollständig assimiliert und sind von der Mehrheitsbevölkerung, auf den ersten Blick, nicht zu unterscheiden. Der Antiziganismus, wie man die Abwehr- und Ausgrenzungshaltung der Bevölkerung nennt, wurde teilweise ebenfalls künstlich aufrecht gehalten – gerade zur Zeit des Nationalsozialismus. So hielten sich Vorurteile über Jahrhunderte, bis zum heutigen Tag.